TZI (Themenzentrierte Interaktion) nach Ruth Cohn

(c) Werner Th. Jung

Pädagogische Kommunikation und die Erzieherpersönlichkeit

Arbeitsaufgabe 1:

1) Lesen Sie den folgenden Zeitungsartikel aufmerksam durch
"Kinderschutzbund - Eltern reden nicht mit ihren Kindern
Der rheinland-pfälzische Landesverband des Kinderschutzbundes beklagt: In vielen Familien mangelt es an Kommunikation. So werden die Angebote des Kinderschutzbundes, wie das Kinder- und Jugendtelefon, immer stärker in Anspruch genommen.



Viele Kinder bleiben mit ihren Sorgen allein

Viele Kinder seien allein mit ihren Sorgen. Der Anruf beim Sorgentelefon des Kinderschutzbundes sei dann der einzige Weg, über Probleme zu reden, hieß es auf der Mitgliederversammlung des Vereins. Rund 114.000 Anrufe haben die Mitarbeiter im Jahr 2005 allein in Rheinland-Pfalz gezählt, Tendenz weiter steigend. Deutsche Eltern, das belegt eine neue Unicef-Studie, reden offenbar besonders wenig mit ihren Kindern.
Sexualität - Schule - Gewalt - Drogen


Die Vorsitzende des Kinderschutzbundes Rheinland-Pfalz, Jeanette Rott-Otte
Die Themen der Kinder und Jugendlichen seien vielfältig, so die Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes, Jeanette Rott-Otte: "Da geht's um Partnerschaft, da geht's um Schule, da geht's um Liebe, da geht's um die erwachende Sexualität. Da geht es aber auch um Gewalt an den Schulen, um Drogen." Ein Ansprechpartner fehle den Kindern. Um die Situation der Kinder allgemein zu verbessern, bietet der Kinderschutzbund auch Kurse und Telefonberatung für Eltern an.
Kinderarmut steigt auch in Rheinland-Pfalz Für die Belange der Kinder engagieren sich beim Kinderschutzbund haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter. Wie ihre Zusammenarbeit verbessert werden kann, war ein weiteres Thema bei der Mitgliederversammlung in Mainz. Als Schwerpunkt und eine der wichtigsten Aufgaben heute und in Zukunft sieht der Verein den Kampf gegen die Kinderarmut. "Die Zahl der Kinder, die in Armut leben, wächst, auch in Rheinland-Pfalz", sagte Rott-Otte."

Arbeitsaufgabe 2: Fassen Sie die wesentlichen Inhalte des o.g. Zeitungsartikels zusammen.

Arbeitsaufgabe 3: Machen Sie Vorschläge wie die im Zeitungsartikel dargestellten Probleme gelöst werden können

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Pädagogische Kommunikation
Nun versuchen wir Antworten auf die Frage nach einer guten Erziehung und einer sinnvollen pädagogischen Kommunikation in den Konzepten von Ruth Cohn, Carl R. Rogers und Thomas Gordon zu finden.
Sie sind Vertreter des Humanismus bzw. der humanistischen Psychologie. Als solche gehen sie davon aus, dass der Mensch von Geburt an, also von Natur aus, positiv ist und ein selbstgesteuertes Leben führen möchte. Mit dieser Grundaussage distanzieren sich die humanistischen Psychologen von den Aussagen des Behaviorismus und der Tiefenpsychologie. Während Vertreter des Behaviorismus klassischer Weise davon ausgehen, dass der Mensch lediglich auf Reize reagiert, die aus der Umwelt auf die Sinneszellen einströmen, behaupten die Psychoanalytiker , hier insbesondere Siegmund Freud, dass der Mensch ein von Trieben gesteuertes Wesen sei.
Die unterschiedlichen psychologischen Schulen unterscheiden sich also sehr stark u.a. bezüglich des Menschenbildes.

Ruth Cohn und die Themenzentrierte Interaktion (TZI)
Ruth Cohn, Begründerin der TZI
Ruth Cohn war ursprünglich Psychoanalytikerin und. sie suchte nach Methoden, die effizienter und effektiver seien als die Einzeltherapie, wie sie von Sigmund Freud durchgeführt wurde.
Sie gründete Gruppen und arbeitete mit Regeln, die sich durch die praktische, therapeutische Arbeit im Laufe der Jahre entwickelten. Hierdurch ist die so genannte Themenzentrierte Interaktion entstanden.
In diesem Zusammenhang hat Ruth Cohn so genannte Axiome, also Grundsätze philosophischer Art formuliert. Sie bilden die Grundlage für das Handeln in der Gruppenarbeit, wie es in der Themenzentrierten Interaktion (TZI) üblich wurde, aber auch in allen anderen Bereichen des menschlichen Lebens sinnvoll ist.
Neben diesen Axiomen formulierte Ruth Cohn des weiteren Postulate , die eine Art praktische Tipps für die Gruppenarbeit darstellen.
Darüber hinaus nannte sie wichtige Kommunikations-Hilfsregeln, die dafür sorgen, dass die philosophisch–theoretischen Grundsatzgedanken, der TZI – Axiomatik nun praktische, lebensnahe Anwendung finden.
Ruth Cohn und Carl Rogers gehen gleicherweise davon aus, dass der Mensch entwicklungsfähig ist und dass die Art und Weise der Umwelteinflüsse sehr entscheidend einen gesunden Menschen in seiner Entwicklung unterstützt.

TZI – Axiomatik
Das erste TZI Axiom formuliert existenzielle, also grundlegende Beschreibungen des Menschen. Daher heißt es, dass existenziell-anthropologische Axiom:

Quelle: http://content.grin.com/binary/wi24/98603/0.gif

„Der Mensch ist eine psycho-biologische Einheit und ein Teil des Universums. Er ist darum autonom und interdependent . Autonomie (Eigenständigkeit) wächst mit dem Bewusstsein der Interdependenz ( Allverbundenheit).“

Für die Erziehung besagt dieses erste TZI-Axiom, dass Kinder aus einer Seele und einem Körper bestehen. Dies bedeutet, dass seelische Bedürfnisse wie Liebe, Geborgenheit, Sicherheit aber auch körperliche Bedürfnisse wie Nahrung, Gesundheit und eine gute Umgebung zu berücksichtigen sind. Dieses Axiom. knüpft an die philosophischen Traditionen an, die die Allverbundenheit

„Alles ist mit Allem verbunden und beeinflusst sich gegenseitig.“

Auf die Erziehung bezogen ist das Prinzip der Allverbundenheit sehr wichtig. Die Art und Weise wie Eltern oder Erzieher miteinander umgehen hat Auswirkung auf das Sicherheitsgefühl der Kinder bzw. der Edukanden. Bei einem wütenden Streit zwischen den Eltern, wird oftmals vergessen, wie sich das Kind währenddessen fühlt.
Der Erzieher bzw. die Erzieherin muss sich bewusst sein, dass alles was getan wird, nicht nur jedes bewusste Erziehungsmittel, sondern jede Handlung eine Auswirkung auf den Edukanden hat. Und sei es „nur“, dass das Handeln nachgeahmt wird.

Beispiel: Frau Röttgers hilft ihrer 8-Jährigen Tochter Lisa bei den Mathematikhausaufgaben. Nach ca. zwei Stunden gemeinsamen Sitzens am Küchentisch wird das Kind immer ungeduldiger und nerviger. Frau Röttgers hat die Tatsache, dass ihr Kind eine psycho-biologische Einheit ist verinnerlicht und nimmt Rücksicht auf die biologisch-körperlichen Bedürfnisse nach Bewegung. Daher wird nun erst eine Zeit des Spielens bzw. des Austobens vereinbart bevor letzte Aufgaben für die bald anstehende Mathematikarbeit geübt werden.

In dem Maße wie sich Frau Röttgers ihrer Interdependenz, also ihrer Abhängigkeit von Gesetzmäßigkeiten, wie mangelnde Konzentrationsfähigkeit nach einem zweistündigem Sitzen am Küchentisch bewusst ist, um so größer wird ihre Autonomie, das heißt ihr Handlungsspielraum um das Ziel, hier die bessere mathematische Leistungsfähigkeit der Tochter, zu erreichen.

Arbeitsaufgabe 4: Geben Sie das erste TZI-Axiom mit eigenen Worten wieder und verdeutlichen Sie den Gedanken mit einem eigenen Beispiel.


Das zweite TZI-Axiom
Das zweite TZI-Axiom formuliert eine Ethik , also eine moralische Vorstellung bezüglich des menschlichen Miteinanders. Daher heißt es das ethisch-soziale Axiom:

„Ehrfurcht gebührt allem Lebendigen und seinem Wachstum. Respekt vor dem Wachstum bedingt bewertende Entscheidungen. Das Humane ist wertvoll; Inhumanes ist wertbedrohend.“

Auf die Beziehung zwischen Erzieher und Edukand bezogen stellt dieses zweite. TZI- Axiom eine Herausforderung für den Erzieher dar. Er wird aufgefordert von einem autoritären, übergeordneten Standpunkt herunter zu kommen und dem möglicherweise vermeintlich geringeren Niveau eines Kindes mit Respekt zu begegnen.
Nicht nur für alle politischen und privaten Entscheidungen, die sich auf andere Menschen, auf die Natur und auf sich selbst beziehen, sondern insbesondere auf Kinder, die sich im Wachstum befinden gilt diese Respekt-Forderung.
Einer der größten Fehler, den viele Erwachsene oft machen, ist Kinder als kleine Erwachsene zu behandeln. Sie fordern zu früh zu viel.

Kinder, Jugendliche und auch erwachsene Menschen befinden sich – davon geht der Humanismus fest aus – von der Sekunde der Geburt bis zum Tod im Wachstum. Zu erkennen und zu akzeptieren, dass ein vierjähriges Kind nicht die selben gedanklichen und emotionalen Fähigkeiten wie ein ausgebildeter Erwachsener hat, beinhaltet den Respekt vor allem Lebendigem und seinem Wachstum.
An dieser Stelle wird deutlich, dass genügend Fachwissen bezüglich der unterschiedlichen kognitiven Fähigkeiten aber auch der emotionalen kindlichen Möglichkeiten für den Erzieher sehr wichtig sind. Diese Thematik wird in einer späteren Lektion im Zusammenhang mit der Entwicklungspsychologie eingehend bearbeitet. Wichtig ist, dass respektvolles, also freundlich, positives, unterstützendes, wertschätzendes Verhalten auch gegenüber Kindern unbedingt notwendig ist.

Beispiel: Larissa, 12 Jahre alt, kommt von der Schule nach Hause. Sie berichtet aufgeregt ihrer Mutter von den seltsamen Erziehungsmaßnahmen ihres Lehrers. Lehrer Schneider fordert immer wieder die Kinder, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben, 30 Kniebeugen zu machen. Die Mutter hört aktiv und verständnisvoll dem Kind zu und nimmt die Empörung des Kindes wahr und sichert ihm zu etwas gegen die Erziehungsmaßnahmen des Lehrers Schneiders zu tun.

Das Verhalten des Lehrers ist nicht von dem von Ruth Cohn verlangten Respekt gegenüber allem Lebendigen und seinem Wachstum geprägt. Er straft zu streng und entwürdigt dadurch.
Die Mutter hingegen gibt ein Beispiel für den in der TZI vorgeschlagenen Respekt. Sie gibt dem Kind das Gefühl, dass seine Empörung und seine Gedanken wichtig und ernst zu nehmen sind.

Arbeitsaufgabe 5: Geben Sie das zweite TZI-Axiom mit eigenen Worten wieder und verdeutlichen Sie den Gedanken mit einem eigenen Beispiel.

Das dritte TZI-Axiom formuliert Realitäten und Gesetzmäßigkeiten, die sich auf das ganze praktische Handeln im Alltagsleben aber auch im Handeln in Institutionen bis zur Politik hin wichtig sind. Daher heißt dieses Axiom das pragmatisch – politische Axiom:

„Freie Entscheidung geschieht innerhalb bedingender, innerer und äußerer Grenzen. Erweiterung dieser Grenzen ist möglich!“

In unserem Leben und Handeln sind wir immer wieder von Grenzen, sei es durch äußere institutionelle Rahmenbedingungen, Regeln, Normen und Sitten, sei es durch innere Grenzen wie Ängste, Müdigkeit, Hunger, Stress und dergleichen beeinträchtigt. Wenn wir bewusst ein Ziel anstreben, also etwas erreichen wollen und uns dieser Grenzen bewusst sind, können wir Strategien und Handlungsmöglichkeiten entwickeln um diese Grenzen teilweise aus dem Weg zu räumen und teilweise in ihrer Wirkung zu reduzieren.
Wichtig ist hierbei, auch in Bezugnahme auf das erste TZI-Axiom das „Bewusst-werden“ der Grenzen, also der Abhängigkeiten. Wer sich dieser Grenzen nicht bewusst wird, kämpft und ackert mit hohem Energieverlust und erreicht oftmals sehr wenig. Laute, polternde Menschen erreichen oft weniger als Menschen, die sehr klug und diplomatisch mit Widersachern und widrigen Meinungen umgehen. Für die Erziehung bedeutet dies: Der Erzieher bzw. die Erzieherin sollte sich informieren über die durch den Edukanden gesetzten inneren und äußeren Grenzen. Beispiele für diese Grenzen können sein altersbedingte, begrenzte Kompetenzen und körperliche Fähigkeiten, begrenzte Motivation die Dinge zu tun, die Erwachsenen Spaß machen, sein.


Beispiel: Familie Röttgers plant einen Sonntagsausflug. Die Eltern sind sich einig, mit dem Fahrrad einen guten Teil ihrer Umgebung zu erkunden. Ihre drei Kinder (8,12 und 16 Jahre) haben eine sehr unterschiedliche Meinung zu diesem Vorhaben. Die Jüngste freut sich mit Mama und Papa unterwegs zu sein, fragt aber nach ca. 2 ½ Kilometern wie weit denn der Weg noch sei. Das mittlere Kind ist engagiert und will schneller fahren als Papa und das älteste Kind ist ziemlich wütend darüber zu diesem Ausflug verdonnert worden zu sein. Zumindest empfindet es diesen Ausflug so. In seinen Gedanken ist das dritte Kind eher bei den Freundinnen.

Die Eltern hätten in einem kollegial bzw. demokratischen Gespräch diese Befindlichkeiten vorher erkunden und Kompromisse finden können, die für alle interessant und attraktiv gewesen wären. So hätte die 16-jährige Tochter Freundinnen mitnehmen können und schon wäre möglicherweise das ganze Unterfangen für sie sehr viel spannender gewesen. Für die jüngste Tochter hätten technische Vorrichtungen eine Hilfe sein können, so dass der Vater sie bei der Fahrradtour hätte ziehen bzw. schieben können.
Arbeitsaufgabe 6: Geben Sie das dritte TZI-Axiom mit eigenen Worten wieder und verdeutlichen Sie den Gedanken mit einem eigenen Beispiel.
Ruth Cohns Postulate
Die TZI-Postulate sind ethisch notwendige Aussagen, die keine wissenschaftlich experimentelle Beweisführung benötigen, sondern es sind Festlegungen, die auf Grund Ruth Cohns praktischen Erfahrungen in Gruppensituationen entstanden sind.

Das erste der beiden TZI-Postulate lautet:

„Sei Dein eigener Chairman/ Chairwoman, sei die Chairperson deiner Selbst“.

Höre auf Deine inneren Stimmen, Deine verschiedenen Bedürfnisse, Wünsche, Motivationen und Ideen. Gebrauche alle Deine Sinne.
Ruth Cohn hat das englische Wort Chairman als Fachbegriff in die TZI unübersetzt eingeführt. Chairman bedeutet übersetzt soviel wie vorsitzender Leiter, aber auch (Chairman of my self) Leiter meiner selbst und (Chairman of a group) Vertreter der Interessen aller in einer Gruppe. Der TZI-Chairman hat von all diesen Bedeutungen etwas.

Unter Chairman bzw. Chairwoman versteht Ruth Cohn einen Menschen, der Verantwortung für sich selbst übernimmt und sich selbst wichtig genug nimmt, aktiv zu werden und seine Grenzen zu verändern, bzw. zu verschieben.
Die Aufforderung der eigene Chairman oder die eigene Chairwoman zu sein ist kein Appell zum Egoismus und zur Ich-Sucht. Das Gegenteil ist der Fall. An dieser Stelle wird erneut deutlich, dass die Axiome, die Postulate und die noch zu behandelnden Kommunikationshilfsregeln der TZI immer im Zusammenhang zu sehen sind. Axiome und Postulate beziehen sich auf einander und sind nur nebeneinander aussagekräftig. Sie dürfen nicht isoliert betrachtet werden.

Einzelne Bestandteile herauszulösen aus der TZI und sie nicht im Zusammenhang der anderen Axiome und Postulate zu sehen wäre unredlich.

Bedeutung des ersten TZI-Postulats für die Erziehung
Für die Erziehung bedeutet das erste Postulat, dass Erzieher sich selbst bewusst werden welche Stärken, Fähigkeiten, Bedürfnisse, Motivationen, Verantwortungen und Begrenzungen sie haben. Alle Aufforderungen zu Respekt und Liebe darf nicht die eigenen Bedürfnisse und Fähigkeiten ignorieren. Natürlich ist es richtig, wenn verantwortungsvoll Kinder in ihrer Trotzphase Grenzen gesetzt bekommen, wenn Eltern in soweit selbst für sich sorgen, dass sie durch zu hohe Anforderungen nicht verbraucht werden.
Des weiteren stellt das erste Postulat ein Erziehungsziel für den Edukanden dar . Das Kind soll lernen sein eigener Chairman bzw. Chairwoman zu werden und verantwortungsvoll Entscheidungen abzuwägen, untereinander sich klar aussprechen zu können, anderen sorgfältig zuzuhören und sehr wohl Bedürfnisse und Motivationen zu formulieren. Dies geschieht nicht durch Strafen und Kränkungen, sondern durch Ermutigungen und den Freiraum eigene Erfahrungen z sammeln zu dürfen.

Beispiel: Hannah, 14 Jahre alt, wurde in ihrer Kindheit von ihrem Stiefvater regelmäßig gekränkt und gedemütigt. Eigene Willensbekundungen, Wünsche und Ideen wurden unterdrückt durch psychische Gewalt. Immer, wenn sie etwas äußerte, wurde sie mit lauter und herrischer Stimme verwiesen. Diese Situationen erlebte sie den größten Teil ihres Lebens. Nun, nachdem der Stiefvater die Familie verließ und ein neuer Lebenspartner in der Familie lebte, veränderte die Mutter ihre Erziehungsmethoden und setzte Erziehungsmittel ein, die das Entstehen eines eigenen Willens, eigener Bedürfnisse unterstützt. Dazu gehören Aussagen wie „Sag ruhig was Du gerne möchtest. Du hast ein Recht dazu. Sag uns, wenn etwas nicht stimmt. Wir hören Dir zu.“ Diese Aussagen unterstützen das Erziehungsziel die eigene Chairwoman zu sein.

Arbeitsaufgabe 7: Geben Sie das erste TZI-Postulat mit eigenen Worten wieder und verdeutlichen Sie den Gedanken mit einem eigenen Beispiel, das auf Ihre Klasse bezogen ist.

Das zweite Postulat.
Ruth Cohn entwickelte, wie oben schon beschrieben, ihre Axiomatik und Postulate aus der praktischen Arbeit mit Gruppen. Sie erlebte immer wieder, dass Seitengespräche, Störungen, wenn sie denn wichtig waren, die eigentliche Kommunikation und somit die Arbeit am gemeinsamen Thema behinderten.
Daher postulierte sie „Störungen haben Vorrang“ .

Ernst gemeinte Störungen, die nicht auf Grund von Schwatzhaftigkeit entstehen, sondern die Ausdruck einer wichtigen Befindlichkeit sind, haben deshalb Vorrang, weil sie erst,bearbeitet werden müssen, um sich wieder auf das eigentliche Thema konzentrieren zu müssen.
Dies entspricht einer Grenzerweiterung, wie sie von der TZI-Axiomatik verlangt wird.

Das Prinzip gilt ebenfalls in der alltäglichen, praktischen Erziehungsarbeit.
All zu oft formulieren Erzieher bzw. Eltern durch Stress und Hektik geprägte Erziehungsziele, denen die Kinder nicht folgen können oder wollen.
Störungen des Erreichens dieser Ziele signalisieren, dass ein anderes Thema, eine andere Befindlichkeit, ein anderes Bedürfnis des Kindes zu erst wichtig genommen werden muss. Dies heißt nicht, dass immer das Lust- und Bockprinzip wichtiger als konzentriertes Arbeiten sind.
Die gesellschaftlichen Normen einen guten Schulabschluss für und mit dem Kind anzustreben sind nach Ansicht des Autors legitim. Das elterliche Streben mit dem Kind dann nun Hausaufgaben, oder intensives Training für die nächste Klassenarbeit durchzuführen sind verständlich.
Diese Vorbereitungen auf schulische Anforderungen dürfen aber nicht blind machen für kindliche oder jugendliche Bedürfnisse, wie Austausch mit Gleichaltrigen, körperliche Bewegung und der gleichen. Störungen, wie mangelnde Konzentration bei den Hausaufgaben haben insofern Vorrang, da sie die Eltern darüber informieren wollen, es gibt andere Notwendigkeiten!
Die erzieherische Herausforderung besteht nun, auf die kindlichen Wünsche respektvoll einzugehen und Kompromisse auszuhandeln.

Arbeitsaufgabe 8: Geben Sie das zweite TZI-Postulat mit eigenen Worten wieder und verdeutlichen Sie den Gedanken mit einem eigenen Beispiel, das auf Ihr Privatleben bezogen ist.


Die Kommunikationshilfsregeln der TZI


Quelle: http://www.schulz-oliver.de/spaw/images/lib1/Besprechungstypen.jpg
Ruth Cohn hat in ihren vielen Gruppensitzungen erlebt welches Kommunikationsverhalten wertvoll und förderlich war und welches Verhalten sich störend und kontraproduktiv auswirkte. Aus diesen Erfahrungen heraus hat sie Kommunikationshilfsregeln formuliert, die u.a. als praktische Auswirkungen bzw. praktische Handlungen, basierend auf die oben genannten Axiome und Postulate anzusehen sind.
Die Kommunikationshilfsregeln sollen im Zusammenhang mit dem Thema dieser Lektion „Kommunikation in der Erziehung“ zum einen als Erziehungsziele für die Kinder und Jugendlichen gelten, aber zum anderen als Handlungsvorgabe für Erzieher bzw. Eltern.
Im folgenden werden die Kommunikationshilfsregeln der TZI genannt und erklärt:

1. Übe Deine Sinne (siehe, höre, empfinde)
Damit die inneren Grenzen bewusst werden, ist es für für jeden kommunizierenden Menschen notwendig, herauszufinden welche Möglichkeiten und Grenzen sich innerlich und äußerlich darstellen. Daher ist es wichtig sehr bewusst sein Gegenüber anzuschauen und zu beobachten, sehr genau aktiv hinzuhören und auf seine innere Stimme, seine Intuition, zu hören.

Beispiel: Maria, 14 Jahre, wurde in der letzten Zeit von Mitschülern oft gehänselt und geärgert. Sie ist sehr verschwiegen und wird von der Lehrerin gefragt, ob sich die schwierige Situation denn nun verbessert habe. Die Schülerin antwortet: „Ja, es ist alles okay.“ Die Lehrerin achtet jedoch nicht nur auf die gesprochenen Worte, sondern ebenso auf die nonverbalen, also körpersprachlichen Signale. Sie wirken andersartig als es sonst bei dieser Schülerin der Fall ist.
Damit kommen wir zur nächsten Kommunikationshilfsregel.

2. Achte auf Deine Körpersignale und auf die von anderen
Die Lehrerin sieht die Inkongruenz zwischen verbalen und nonverbalen, also den Unterschied zwischen ausgesprochenen Worten und der Mimik der Schülerin. Dieser Unterschied bzw. diese Diskrepanz fordert die Lehrerin auf weiter nachzufragen bzw. in Zukunft die Situation weiter zu beobachten.
Körpersignale werden oftmals vom Unterbewussten gesteuert und sind bei den meisten Menschen daher sehr ehrlich und selbstoffenbarend. Ihre Aussagekraft sollte von Erziehern unbedingt wahrgenommen werden, allerdings nicht vorschnell interpretiert werden. Dies führt uns zu der nächsten Kommunikationshilfsregel.

3. Halte Dich mit Interpretationen von anderen so lange wie möglich zurück.
Nicht nur die nonverbalen Signale dürfen nicht durch vorzeitige Interpretation ins falsche Licht gerückt werden, überhaupt das gesamte Kommunikationsverhalten und das Erscheinungsbild von Menschen sollte so lange wie möglich nicht interpretiert werden. Der berühmte erste Eindruck sollte wegen der Gefahr des Primacy Effekts mit größter Vorsicht wahrgenommen werden.
Menschen mit einem gewissen Maß an Lebenserfahrungen können davon berichten, dass erste Eindrücke sich durch weitere Erlebnisse mit Menschen nicht bestätigt haben und daher falsch waren. Vorzeitige Interpretationen führen zu Vorurteilen, die besonders in der pädagogischen Beziehung den Kindern bzw. den Edukanden Grenzen aufzwängen, die die Entwicklungsmöglichkeiten unnötig einschränken.

Beispiel: Der 14-jährige Marcel ist begeistert von der Möglichkeit eine eigene Bude zu bauen. Sein Vater erinnert sich an sehr begrenzte Handwerkliche Fähigkeiten und möchte im ersten Moment seinem Sohn davon abraten, er habe ja doch nur zwei linke Hände. Nach einem kurzen Überlegen hält er diesen Impuls zurück und ermutigt seinen Sohn und bietet ihm sogar praktische Hilfe an.

Dadurch, dass diese handwerkliche Herausforderung „Bude bauen“ wirklich der eigenen Motivation von Marcel entstammte, geht er mit überraschenden Fähigkeiten und Engagement an diese Herausforderung. Es ist zwar weiterhin erkennbar, dass handwerkliche Tätigkeit und feinmotorisches Handeln eine Trainingsaufgabe bleibt, aber auf Grund der neuen motivationalen Voraussetzungen gelingt vieles besser, als der Vater vorher vermutete.

4. Zuhören, Nachdenken und Aussagen sind unterschiedliche Tätigkeiten.
Erlaube Dir und anderen Pausen und Schweigen, sie gehören zu echter Kommunikation. Versuche nicht alles gleichzeitig nur auf Grund emotionaler Befindlichkeiten zu machen.
Aktives Zuhören, in Ruhe über die Aussagen des Kindes nachdenken würden für sehr viel mehr Frieden im Alltagsgeschehen von Familien sorgen. All zuviel Stress auf Grund von Übermüdung und beruflicher Überbeanspruchung sorgen oft dafür, dass Eltern dies so nicht tun. Je wichtiger man aber als Erzieher bzw. als Erzieherin diese Notwendigkeiten nimmt, desto eher werden sich im kommunikativen Miteinander Verbesserungen einstellen.

5. Werde wach für Deine Gefühle, sie gehören zu Deinem Wert und Deiner Wichtigkeit
Gefühle können die oben schon beschriebenen Grenzen aber auch Chancen darstellen. Ist ein Mensch emotional abgelenkt von den erklärten Thema oder Ziel, so wird er oder sie bei der Erreichung des Ziels oder Themas behindert werden. Gefühle können aber als wichtige Boten bzw. Botschaften angesehen werden. Sie informieren über unbewusste Realitäten.
Es fällt einfach schwer, wenn am Sonntagabend die 15-jährige Anne von ihrem Freund erklärt bekommt, dass die Freundschaft nun beendet sei, sich nun am Montagmorgen auf Unterricht und Schule zu konzentrieren.
Es ist wichtig auf diese Gefühle zu hören, um dann ggf . gut überlegte Entscheidungen zu treffen, sich für einen gewissen Zeitraum von diesen Gefühlen nicht beherrschen zu lassen und eventuell erst am Montagnachmittag sich wieder erneut mit dieser Thematik -möglicherweise im Gespräch mit den Eltern- auseinander zu setzen.

6. Drücke Dich klar aus. Sprich lieber öfter per ich anstatt per man oder per wir

Quelle: http://www.thomas-hupfer.de/foi6_2.gif
Hier fordert Ruth Cohn auf, echte Ich-Botschaften zu formulieren und nicht so zu tun, als ob für eine ganze Gruppe gesprochen würde, obwohl das eigene Ich gemeint ist. Wir werden hier aufgefordert über die eigene Befindlichkeit und Gefühlswelt nicht nur sich selbst, sondern auch den Kommunikationspartner zu informieren.

Beispiel: Frau Röttgers geht mit ihrer jüngsten Tochter, 8 Jahre alt, einkaufen. Die Tochter bettelt an der Kasse und fordert Süßigkeiten ein. Anstatt das Kind zu beschimpfen und mit Drohbotschaften wie „Du bist unerzogen, du bist richtig frech“ zu drangsalieren, beschreibt Frau Röttgers ihre eigenen Empfindungen: „Ich finde es nicht gut, dass Du Dich so benimmst. Ich habe nicht genügend Geld um diese Süßigkeiten zu kaufen. Außerdem ist es mir unangenehm, wenn Du vor den Leuten so rumschreist.“

Wichtig ist es, echte Ich-Botschaften, also Beschreibungen der eigenen Gefühls- und Gedankenwelt zu formulieren und nicht getarnte Du-Botschaften als scheinbare Ich-Botschaften zu formulieren.
Hier geht es darum, dass eine sehr genaue Kongruenz zwischen dem tatsächlichen Gedanken und der Kommunikation, den ausgesprochenen Worten entsteht. Dies führt uns zur nächsten Hilfsregel.

7. Sei authentisch und selektiv in Deinen Kommunikationen.
Selektive Offenheit ermöglicht Vertrauen und Verständnis. Absolute Offenheit ist meist inhuman.
Ruth Cohn geht hier über die Forderung der Kongruenz, die wir bei Carl Rogers später genauer kennen lernen werden, hinaus. Alles was gesagt wird soll ehrlich sein. Aber nicht jede Wahrheit muss ausgesprochen werden.
Im Gespräch mit manchen Jugendlichen kann man schon einmal hören: „Wieso? Das ist aber meine ehrliche Meinung! Der Mitschüler Marvin ist doch echt voll doof.“
Diese Aussage mag zwar authentisch sein, aber in ihrer Härte diskriminierend und isolierend. Diese Hilfsregel muss nun im Zusammenhang mit den Axiomen stehen, die Respekt vor Wachstum und allem Lebendigen fordern. Daher sollte die Kommunikation selektiv sein und die Schülerin könnte formulieren: „Ich habe zur Zeit Schwierigkeiten mit Marvin. Ich komme mit seiner Art so nicht klar. Vielleicht sollten wir uns noch einmal genauer unterhalten!“

8. Stelle möglichst wenige Fragen, es sei denn, Du erläuterst ihren Hintergrund
Im normalen Alltagsgespräch ist es sicherlich schwierig auf jede Art von Frage zu verzichten und dies ist auch nicht das Ziel der TZI. Allerdings gibt es Gruppen, Gesprächssituationen, wo Leiter, dies können Lehrer aber auch Eltern sein, die durch häufiges und intensives Fragen Kinder in eine Ecke drängen und somit ihre eigenen Kommunikationsbedürfnisse übergehen.

Merksatz:
Die TZI-Regeln sollen eingebunden sein in eine humane, also menschliche Haltung und in die Aussagen der Axiome und der Postulate. Wenn das nicht geschieht, dienen sie der Intoleranz und dem Dogmatismus .

Arbeitsaufgabe 9: Erstellen Sie eine Mind Map nach den Regeln von Tony Buzan bezüglich der TZI- Kommunikationsregeln von Ruth Cohn und präsentieren Sie diese Mind Map in der Plenumsphase.

Arbeitsaufgabe 10: Entwerfen Sie ein Fallbeispiel, in dem es drei Kommunikations-situationen gibt, die im Einklang mit den TZI-Kommunikationsregeln übereinstimmen und zwei Handlungsweisen, die im Widerspruch zu diesen Regeln stehen. Tippen Sie diese Fallbeispiele, nummerieren Sie die Zeilen und lassen Sie den Text von Ihren Mitschülern in der Plenumsphase analysieren.

Die ICH-WIR-ES-GLOBE-Balance oder Das TZI-Dreieck in der Kugel


Quelle: http://herrlarbig.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/02/tzi_modell001001.jpg
Die bisher erörterten Axiome, Postulate und Hilfsregeln dienen der Ausgeglichenheit in der Gruppenarbeit, sowie im Miteinander in Erziehungssituationen. Eine möglichst große Ausgeglichenheit zwischen dem Gruppenziel, den Bedürfnissen der gesamten Gruppe, des einzelnen Individuums und den Einflüssen durch die Umgebung sind Auswirkungen einer bewussten Orientierung nach den oben genannten Vorschlägen.


Es gilt in einer Gruppenarbeit genauso wie in einer Erziehungssituation, dass die oben genannten Aspekte ganzheitlich und einander bedingend ernst und wichtig genommen werden sollen und nicht einseitig und isoliert in den Mittelpunkt gestellt werden dürfen.

Das TZI-Dreieck in der Kugel zeigt die vier wesentlichen Punkte jeder Gruppen- und Teamarbeit auf. Sie sind alle vier miteinander verbunden und gleich wichtig. Diese Punkte sind:
• ICH = Jede Person, die sich selbst, den anderen und dem Thema zuwendet.
• WIR = Die Gruppenmitglieder, die durch die Zuwendung zum Thema und ihre Interaktion untereinander zur Gruppe werden.
• ES = Das Thema, also die gemeinsame Sache, der Lernstoff oder die von der Gruppe behandelte Arbeitsaufgabe.
• GLOBE 11 = Das jeweils konkrete Umfeld von Zeit und Situation, das die Gruppe beeinflusst und von ihr beeinflusst wird, also die Umgebung im eigentlichen und weitesten Sinne. Die aufeinander bezogenen Schwerpunkte ICH, WIR und THEMA werden in das GLOBE hineingestellt. Dieser ICH - WIR - ES - GLOBE - Zusammenhang wird in einer einfachen Grafik dargestellt:


Wiederholungsfragen zur Selbstüberprüfung (TZI):

Arbeitsaufgabe 11: Erklären und erörtern Sie die TZI-Axiomatik und TZI-Postulate. Beziehen Sie Ihre Ausführungen auf die Erziehung!
Arbeitsaufgabe 12: Skizzieren Sie die TZI- Kommunikationshilfsregeln und deren Bedeutung für Therapie und Erziehung!
Arbeitsaufgabe 13: Erläutern Sie die ICH-WIR-ES-GLOBE-Balance! Beziehen Sie Ihre Ausführungen auf eine – für Sie persönlich-wichtige Gruppe!
Arbeitsaufgabe 14: Tragen Sie in Ihr „Vokabelheft“ alle Fachbegriffe und deren Definitionen, die in den Fußnoten dieser Lektion erklärt werden, ein!
Arbeitsaufgabe 15: Erstellen Sie eine Mind Map nach den Regeln von Tony Buzan, anhand der Sie die gesamte TZI visualisieren. Benutzen Sie ein DIN-A3- Blatt.




Arbeitsaufgabe 16: Bearbeiten Sie folgenden Lückentext:

Ruth Cohns Themenzentrierte Interaktion TZI
(Kurzform)

Wer ist Ruth Cohn?
Im Folgenden soll die Begründerin der TZI anhand einzelner Zitate vorgestellt werden:
(Quelle: )

"1912: „Meine Kindheitserinnerungen von Recht und Ungerechtigkeit, von sinnlosen Normen und Wahrheitsliebe, von Schuld, Reue und Vergebung - sie alle fanden statt im Heimatrahmen eines ökonomisch ___________________ sicheren und liebevollen Elternhaus.“
1932: „Mich faszinierte die Möglichkeit, Menschen, denen es schlecht ging, von ihrem Leiden zu befreien und gleichzeitig ihre Lebensgeschichte kennen zu lernen. Ich betrachtete mich damals als Lyrikerin, suchte jedoch quasi nebenbei nach einem realistischen „Beruf“.“
1933: „Und durch all die Studienjahre war da die quälende Frage, ob man nicht Psychoanalyse und psycho___________________ dynamische Kenntnisse nutzen könne, um großen Menschengruppen zu helfen, anstatt nur einzelnen Patienten.“
1946 - 1965: „Man sagte mir, dass ein Gesetz vorbereitet würde, nachdem nur Ärzte Psychoanalyse praktizieren dürften, mit der möglichen Ausnahme von Kinderanalyse. So bereitete ich mich auf Kinderanalyse vor. Ich wollte nicht einsehen, dass Probleme von Kindern geringfügiger sein sollten, als die von Erwachsenen, nur weil Kinder kleiner sind.“

„Mit der holistischen (= ganzheitlichen) Auffassung vom Menschen habe ich erkannt, dass nicht nur Krankheit von jedem Punkt der Seele und des Körpers her entstehen kann, sondern auch Gesundheit.“2

1 Das existentiell-anthropologische Axiom.
Der Mensch ist eine psycho-biologische Einheit und ein Teil des Universums. Er ist darum gleicherweise autonom und___________________ interdependent. Die Autonomie des Einzelnen ist um so größer, je mehr er sich seiner Interdependenz mit allen und allem bewusst wird.

2 Das ethisch -soziale Axiom:
„Ehrfurcht gebührt allem Lebendigen und seinem Wachstum. Respekt vor dem Wachstum bedingt bewertende Entscheidungen. Das Humane ist wertvoll; ___________________ Inhumanes ist Wert bedrohend.“

Das pragmatisch -politische Axiom:
„Freie Entscheidung geschieht innerhalb bedingender, innerer und äußerer Grenzen. Erweiterung dieser Grenzen ist möglich!“
Ruth Cohn selbst interpretiert dieses dritte ___________________ pragmatisch-politische Axiom so: „Freiheit im Entscheiden ist größer, wenn wir gesund, intelligent, materiell gesichert und geistig gereift sind, als wenn wir krank, beschränkt oder arm sind, oder unter Gewalt und mangelnder Reife leiden.“

Das erste Postulat 8: „Sei Dein eigener Chairman“
Ruth Cohn fordert auf: „Sei Dein eigener Chairman___________________ /Chairwoman, sei die Chairperson Deiner selbst. Höre auf Deine inneren Stimmen - Deine verschiedenen Bedürfnisse, Wünsche, Motivationen und Ideen. Gebrauche alle Deine ___________________ Sinne - höre, sieh, rieche und nimm wahr. Gebrauche Deinen Geist, Dein Wissen, Deine Urteilskraft, Deine Verantwortung, Deine Denkfähigkeit. Wäge Entscheidungen sorgfältig ab. Niemand kann Dir Deine Entscheidungen abnehmen. Du bist die wichtigste Person in Deiner Welt, so wie ich in meiner. Wir müssen uns untereinander klar aussprechen können und einander sorgfältig zuhören, denn dies ist unsere einzige ___________________ Brücke von Insel zu Insel.“

Das zweite Postulat: Störungen haben Vorrang

Hilfsregeln - Förderer lebendiger Kommunikation
1. ___________________ Übe Deine Sinne (siehe, höre, empfinde)
2. Werde wach für Deine Gefühle, sie gehören zu Deinem Wert und Deiner ___________________ Wichtigkeit.
3. Drücke Dich klar aus (sage lieber öfter ich und wir, als man).
4. Halte Dich mit ___________________ Interpretationen von anderen so lange wie möglich zurück.
5. Sei authentisch und selektiv in Deinen Kommunikationen. ___________________ Selektive Offenheit ermöglicht Vertrauen und Verständnis. Absolute Offenheit ist meist inhuman.
6. Zuhören, nachdenken und aussagen sind unterschiedliche Tätigkeiten. Erlaube Dir und anderen Pausen und Schweigen, sie gehören zu echter Kommunikation.
7. Beachte Deine ___________________ Körpersignale und die von anderen.


Merksatz:
Die TZI-Regeln sollen eingebunden sein in eine ___________________ humane Haltung und in die Aussagen der Axiome und der Postulate. Wenn das nicht geschieht, dienen sie der Intoleranz und dem Dogmatismus.

TZI-Dreieck in der Kugel
Das TZI-Dreieck in der Kugel zeigt die vier wesentlichen Punkte jeder ___________________ Gruppen- und Teamarbeit auf. Sie sind alle vier miteinander verbunden und gleich wichtig. Diese Punkte sind:
• ICH = Jede Person, die sich selbst, den anderen und dem Thema zuwendet.
• WIR = Die Gruppenmitglieder, die durch die Zuwendung zum Thema und ihre Interaktion untereinander zur Gruppe werden.
• ES = Das ___________________ Thema, also die gemeinsame Sache, der Lernstoff oder die von der Gruppe behandelte Arbeitsaufgabe.
• GLOBE = Das jeweils konkrete Umfeld von Zeit und Situation, das die Gruppe beeinflusst und von ihr ___________________ beeinflusst wird, also die Umgebung im nächsten und weitesten Sinne. Die aufeinander bezogenen Schwerpunkte ICH, WIR und THEMA werden in das ___________________ GLOBE hineingestellt. Dieser ICH - ___________________ WIR - ES - GLOBE - Zusammenhang wird in einer einfachen Grafik dargestellt:

___________________________________________________________


Lösungsbogen:
Ruth Cohns Themenzentrierte Interaktion TZI
(Kurzform)

Wer ist Ruth Cohn?
Im Folgenden soll die Begründerin der TZI anhand einzelner Zitate vorgestellt werden:
(Quelle: )

"1912: „Meine Kindheitserinnerungen von Recht und Ungerechtigkeit, von sinnlosen Normen und Wahrheitsliebe, von Schuld, Reue und Vergebung - sie alle fanden statt im Heimatrahmen eines ökonomisch sicheren und liebevollen Elternhaus.“
1932: „Mich faszinierte die Möglichkeit, Menschen, denen es schlecht ging, von ihrem Leiden zu befreien und gleichzeitig ihre Lebensgeschichte kennen zu lernen. Ich betrachtete mich damals als Lyrikerin, suchte jedoch quasi nebenbei nach einem realistischen „Beruf“.“
1933: „Und durch all die Studienjahre war da die quälende Frage, ob man nicht Psychoanalyse und psychodynamische Kenntnisse nutzen könne, um großen Menschengruppen zu helfen, anstatt nur einzelnen Patienten.“
1946 - 1965: „Man sagte mir, dass ein Gesetz vorbereitet würde, nachdem nur Ärzte Psychoanalyse praktizieren dürften, mit der möglichen Ausnahme von Kinderanalyse. So bereitete ich mich auf Kinderanalyse vor. Ich wollte nicht einsehen, dass Probleme von Kindern geringfügiger sein sollten, als die von Erwachsenen, nur weil Kinder kleiner sind.“

„Mit der holistischen (= ganzheitlichen) Auffassung vom Menschen habe ich erkannt, dass nicht nur Krankheit von jedem Punkt der Seele und des Körpers her entstehen kann, sondern auch Gesundheit.“2

1 Das existentiell-anthropologische Axiom.
Der Mensch ist eine psycho-biologische Einheit und ein Teil des Universums. Er ist darum gleicherweise autonom und interdependent. Die Autonomie des Einzelnen ist um so größer, je mehr er sich seiner Interdependenz mit allen und allem bewusst wird.

2 Das ethisch -soziale Axiom:
„Ehrfurcht gebührt allem Lebendigen und seinem Wachstum. Respekt vor dem Wachstum bedingt bewertende Entscheidungen. Das Humane ist wertvoll; Inhumanes ist Wert bedrohend.“

Das pragmatisch -politische Axiom:
„Freie Entscheidung geschieht innerhalb bedingender, innerer und äußerer Grenzen. Erweiterung dieser Grenzen ist möglich!“
Ruth Cohn selbst interpretiert dieses dritte pragmatisch-politische Axiom so: „Freiheit im Entscheiden ist größer, wenn wir gesund, intelligent, materiell gesichert und geistig gereift sind, als wenn wir krank, beschränkt oder arm sind, oder unter Gewalt und mangelnder Reife leiden.“

Das erste Postulat 8: „Sei Dein eigener Chairman“
Ruth Cohn fordert auf: „Sei Dein eigener Chairman/Chairwoman, sei die Chairperson Deiner selbst. Höre auf Deine inneren Stimmen - Deine verschiedenen Bedürfnisse, Wünsche, Motivationen und Ideen. Gebrauche alle Deine Sinne - höre, sieh, rieche und nimm wahr. Gebrauche Deinen Geist, Dein Wissen, Deine Urteilskraft, Deine Verantwortung, Deine Denkfähigkeit. Wäge Entscheidungen sorgfältig ab. Niemand kann Dir Deine Entscheidungen abnehmen. Du bist die wichtigste Person in Deiner Welt, so wie ich in meiner. Wir müssen uns untereinander klar aussprechen können und einander sorgfältig zuhören, denn dies ist unsere einzige Brücke von Insel zu Insel.“

Das zweite Postulat: Störungen haben Vorrang

Hilfsregeln - Förderer lebendiger Kommunikation
1. Übe Deine Sinne (siehe, höre, empfinde)
2. Werde wach für Deine Gefühle, sie gehören zu Deinem Wert und Deiner Wichtigkeit.
3. Drücke Dich klar aus (sage lieber öfter ich und wir, als man).
4. Halte Dich mit Interpretationen von anderen so lange wie möglich zurück.
5. Sei authentisch und selektiv in Deinen Kommunikationen. Selektive Offenheit ermöglicht Vertrauen und Verständnis. Absolute Offenheit ist meist inhuman.
6. Zuhören, nachdenken und aussagen sind unterschiedliche Tätigkeiten. Erlaube Dir und anderen Pausen und Schweigen, sie gehören zu echter Kommunikation.
7. Beachte Deine Körpersignale und die von anderen.


Merksatz:
Die TZI-Regeln sollen eingebunden sein in eine humane Haltung und in die Aussagen der Axiome und der Postulate. Wenn das nicht geschieht, dienen sie der Intoleranz und dem Dogmatismus.

TZI-Dreieck in der Kugel
Das TZI-Dreieck in der Kugel zeigt die vier wesentlichen Punkte jeder Gruppen- und Teamarbeit auf. Sie sind alle vier miteinander verbunden und gleich wichtig. Diese Punkte sind:
• ICH = Jede Person, die sich selbst, den anderen und dem Thema zuwendet.
• WIR = Die Gruppenmitglieder, die durch die Zuwendung zum Thema und ihre Interaktion untereinander zur Gruppe werden.
• ES = Das Thema, also die gemeinsame Sache, der Lernstoff oder die von der Gruppe behandelte Arbeitsaufgabe.
• GLOBE = Das jeweils konkrete Umfeld von Zeit und Situation, das die Gruppe beeinflusst und von ihr beeinflusst wird, also die Umgebung im nächsten und weitesten Sinne. Die aufeinander bezogenen Schwerpunkte ICH, WIR und THEMA werden in das GLOBE hineingestellt. Dieser ICH - WIR - ES - GLOBE - Zusammenhang wird in einer einfachen Grafik dargestellt (Suchen Sie sich bei Google Bilder eine entsprechende Graphik.

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Fußnoten:

Behaviorismus, ist eine von dem amerikanischen Psychologen J.B. Watson begründete Richtung der Psychologie. Ausgangspunkt für den Behaviorismus ist die Forderung, Psychologie solle sich zur Gewährleistung einer möglichst objektiven Betrachtungsweise und Analyse ihres Forschungsgegenstandes auf die Untersuchung des tatsächlichen Verhaltens beschränken. Konsequent werden deshalb die Analyse innerseelischer Vorgänge oder die Methode der Selbsterforschung (Introspektion) als unwissenschaftlich abgelehnt und Begriffe wie Bewusstsein, Denken, Fühlen und Wollen aus der psychologischen Forschung ausgegrenzt.
Psychoanalyse, Bezeichnung für die von S. Freud begründete Theorie und (Forschungs- wie Behandlungs-)Methode der Tiefenpsychologie zur Erklärung des seelischen Geschehens und zur Entstehung und Behebung psychischer Störungen.
Am 16. Januar 09 aus dem Internet kopiert: http://www.ecole.ch/educat/inset/ruthbib3.jpg
Postulat = Eine existentielle Tatsache, eine ethisch notwendige Aussage, die sich in sich selbst beweist und ohne deren Anerkennung die TZI sinnlos würde. Sie ist zugleich Herausforderung, die Wirkung des eigenen Handelns selbst zu überprüfen.
Axiom = 1. als absolut richtig anerkannter Grundsatz, gültige Wahrheit, die keines Beweises bedarf. 2. nicht abgeleitete Aussage eines Wissenschaftsbereiches, aus der andere Aussagen abgeleitet werden. Auch interessant Axiometer = Richtungsweiser für das Steuerruder von Schiffen (Fremdwörterduden S. 98).
Anthropologie = Lehre vom Menschen, Begriff geht auf Aristoteles zurück. Anthropologie = Als philosophische Anthropologie, die Lehre von den Eigenschaften und Verhaltensweisen des Menschen, die ihm unabhängig von seiner (generellen) sozioökonomischen, soziokulturellen und individuellen physischen und psychischen Situation zukommen sollen. Die Anthropologie versucht, Feststellung der empirischen Wissenschaften vom Menschen (Humanbiologie, Tiefenpsychologie, Psychosomatik, Soziologie, Sprachwissenschaften usw.) mit seinen vielfältigen Determiniertheiten in Einklang zu bringen und mit der Behauptung der „Freiheit“ und schöpferischen Leistungsfähigkeit des Menschen. („Meyer großes Taschenlexikon“ Band 2, S. 26).
Interdependenz = Wechselseitige Abhängigkeit, Verbundenheit, Allverbundenheit. Im Menschenbild der TZI Gegenstück zur Autonomie, zur Unabhängigkeit des Einzelnen. Ruth Cohn betont das sowohl - als - auch von Autonomie und Interdependenz im menschlichen Leben (Schütz, aao. „Glossar“ S. 390).
Cohn, Ruth: „Von der Psychoanalyse zur Themenzentrierten Interaktion“, Stuttgart 1994, S. 120
Ethik = 1. Lehre vom sittlichen Wollen und Handeln des Menschen in verschiedenen Lebenssituationen. 2. Allgemein gültige Normen und Maxime der Lebensführung, die sich aus der Verantwortung gegenüber anderen herleiten.
Ebenda
Institution ist eine einem bestimmten Aufgabenfeld zugeordnete öffentliche (staatliche, kirchliche oder vereinsrechtliche) Einrichtung. Beispiel: Kindergarten, Schule, Behörde, Rathaus...

Cohn, Ruth: a.a. O.

Dieses Zitat stammt aus Ruth Cohns Buch: „Von der Psychoanalyse zur Themenzentrierten Interaktion“ (1976)

ebenda S. 121
Inkongruenz bedeutet Unterschiedlichkeit, Unechtheit, hier auch: zu wenig Deckungsgleichheit (Übereinstimmung) zwischen den gesprochenen Worten und den Mimiken und Gestiken.
Diskrepanz bedeutet Unterschied bzw. Widerspruch.
Primacy Effekt ist ein psychischer Effekt, bei dem beim ersten Kennen lernen subjektiv Wahrgenommenes nicht mit der objektiven Wirklichkeit übereinstimmt.
ggf.= gegebenenfalls
Kongruenz = Deckungsgleichheit, Echtheit
authentisch = ehrlich, echt
selektiv = auswählend, aussortierend
diskriminierend = verletzend, herabsetzend, zu Außenseiter machend
Dogmatismus = die unkritische Behauptung lehrhafter Sätze mit dem Anspruch auf absolute Geltung, also die Tendenz zu starrem, an überlieferten Meinungen orientiertem, vorurteilshaftem Denken.
10 GLOBE = englischer Ausdruck, Kugel, Ball, Erd-, Sonnenball, Weltkugel, Himmelskugel, Kugelglas, Glaskugel, Lampenschirm, Glühbirne, Augapfel (Schöffler, Herbert: „PONS - Globalwörterbuch / Schöffler - Weiss“, Heidelberg, 1978, S. 424).
http://www.kath.de/akademie/rahner/koepfe/big/cohn.jpg
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